Place Matters! Raumbezogene Faktoren von Einsamkeit und Isolation – Erkenntnisse und Implikationen für die Praxis

Autorin: Prof. Dr. Claudia Neu

 

Abstract

Erst in jüngster Zeit wird dem Zusammenhang von Einsamkeitserleben und Raum wissenschaftliche Aufmerksamkeit geschenkt. Weltweit betrachtet, war das Einsamkeits- und Isolationserleben vor der Corona-Pandemie deutlich ungleich verteilt. In Europa waren es insbesondere die Bürger*innen süd- und osteuropäischer Länder, die unter Einsamkeit und sozialer Isolation litten, wohingegen die skandinavischen Länder und die Niederlande wenig davon betroffen waren. Die Einsamkeitswerte für Deutschland lagen im europäischen Vergleich eher im unteren Mittelfeld. Die Pandemie hat weltweit zu einer Vereinsamung der Menschen geführt, die auch die internationalen Unterschiede deutlich eingeebnet hat.

Wie aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, spielen beim Einsamkeits- und Isolationserleben nicht nur Persönlichkeitsmerkmale (beispielsweise Alter, Gesundheit, Bildungsstand) eine entscheidende Rolle, sondern auch regionale Bedingungsfaktoren wie die infrastrukturelle Raumausstattung oder die Qualität des Wohnumfeldes. Vereinsamung kann neben persönlichen Gründen, jedoch auch durch einen Mangel an lokalen Begegnungsorten und Teilhabestrukturen ausgelöst werden.

Die Aufgabe der Politik liegt nun darin, nicht nur Forschung zum Zusammenhang von Raum(Strukturen) und Vereinsamung zu fördern, sondern auch durch die Herstellung gleichwertiger Lebensbedingungen gesellschaftliche Teilhabe niedrigschwellig zu ermöglichen. Damit könnten Rahmenbedingungen geschaffen werden, die das Anbahnen, Aufrechterhalten und Ausbauen von sozialen Begegnungen erleichtern, also Kontakt- und Beziehungschancen erhöhen, oder soziologisch gesprochen: die Beziehungsungleichheit abmildern.

Diese Expertise arbeitet heraus, welche raumbezogenen (demographischen, sozialen und infrastrukturellen) Faktoren Einfluss auf Einsamkeits- und Isolationserleben sowie Formen sozialer Exklusion nehmen. Besondere Aufmerksamkeit wird dem Zusammenhang von Raumressourcen und Einsamkeit geschenkt. Des Weiteren werden Beispiele aus der Praxis vorgestellt, die in den vergangenen Jahren erfolgreich Begegnungsorte und damit auch Kommunikations- und Beziehungsangebote geschaffen haben. Abschließend werden Handlungsempfehlungen und Forschungsdesiderata formuliert.

 

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